Die sexuelle Orientierung ist weder durch Erziehung noch durch Therapien beeinflussbar. Heute wird vielmehr davon ausgegangen, dass sie sich bereits in der frühen Kindheit etabliert. Wenn das "Anderssein" in der Pubertät erkannt wird, fehlt oftmals der Mut, Gefühle und Ängste mitzuteilen. So sind in jedem Schulhaus Kinder und Jugendliche vertreten, die schwul oder lesbisch fühlen.

Im Gegensatz zu den Merkmalen anderer Minderheiten sieht man die sexuelle Orientierung niemandem an. Die meisten Eltern denken nicht daran, dass auch ihr Kind homo- oder bisexuell sein könnte. So schieben viele Jugendliche ihr Coming-out lange vor sich hin, weil die Angst, von ihrem Umfeld abgelehnt zu werden, gross ist.

In verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen berichten schwule und lesbische Jugendliche im Vergleich zu ihren heterosexuellen Gleichaltrigen über mehr Angst und Depressivität, ein schlechteres Selbstwertgefühl, mehr soziale Isolation und Einsamkeit, mehr Suizidversuche, mehr Alkohol- und Drogenmissbrauch, mehr sexuelles Risikoverhalten und über deutlich mehr verbale und körperliche Gewalterfahrungen.

Es gibt aber auch homo- und bisexuelle Jugendliche, die im familiären und schulischen Umfeld Akzeptanz und Unterstützung erleben. Diese Jugendlichen sind ebenso gut integriert wie ihre heterosexuellen Gleichaltrigen. Sie finden die gleichen Entwicklungschancen vor.

Die Schule ist der Ort, wo Jugendliche einen Grossteil ihrer Zeit verbringen. Sie hat den Anspruch, für alle ein Ort des gegenseitigen Respekts zu sein. Auch schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, in einem aufgeklärten Umfeld zu sich und ihren Gefühlen zu stehen und so ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Dazu ist direkte Information über Homosexualität und die Beseitigung der zahlreichen Vorurteile dringend notwendig.