Über uns

Neue Ideen für die Zukunft

Das ABQ Schulprojekt wurde 1999 in Bern gegründet und ist noch heute in der Stadt Bern zuhause. ABQ ist ein Wortspiel aus dem ABC - welches die Jugendlichen bereits kennen - und Queer, was soviel bedeutet wie "von der Norm abweichend", "nicht heterosexuell und cis-normativ". ABQ ist als gemeinnütziger Verein organisiert. Pro Schuljahr führt ABQ in den Kantonen Bern, Freiburg und Jura ungefähr 35 bis 40 Schulbesuche durch und besteht aus rund 20 aktiven Schulbesucher_innen.


Nebst den Schulbesuchen findet monatlich eine Schulbesucher_innen Sitzung statt um die durchgeführten Besuche aufzugreifen. Bei diesen Treffen ist auch persönliche Kontakt und Austausch unter den Mitgliedern ein wichtiger Bestandteil. Unter dem Jahr finden zudem interne Weiterbildungen statt. ABQ ist mit den weiteren Schulprojekten GLL (Innerschweiz), Comout (Ostschweiz), anyway (Basel) und Transgender Network Schweiz (ganze Schweiz) vernetzt. Diese bieten in den genannten Regionen vergleichbare Workshops und Schulbesuche zu den Themen Homo- und Bisexualität sowie Transgender an.

 

Vermittlung des Themas Homosexualität und Transidentität - Standpunkt von ABQ

In Sexualkunde-Lehrmittel stehen vielfach Themen wie „körperliche Veränderungen“, „Liebe“, „Sexualität“, „Verhütung" und "Schwangerschaft" im Mittelpunkt und dies oft auf hetero- und cisnormative, also nur auf Mann-Frau bezogene, Art und Weise. Weitere Themen sind oft noch „sexuell übertragbare Krankheiten“ und „sexuelle Belästigung/Gewalt". Nur bei sehr wenigen Lehrmittel wird „Homo- und Bisexualität“ thematisiert, das Thema Transidentität fällt oftmals gänzlich weg. Teilweise wird Schwulsein sogar nur im Kontext des HIVs erwähnt, Lesbisch- oder Bisein wird gar nicht angesprochen. Zum Teil wird gleichgeschlechtliche Liebe auch nur mit dem Aspekt der Diskriminierung verbunden.


Dieses Vorgehen suggeriert, dass Sexualität, Liebe und Beziehungen mit Heterosexualität gleichzusetzen ist und dass Homosexualität das "Andere", etwas "Schwieriges", Zweitrangiges, Tabuisiertes und eher Problematisches ist. Für eine wertfreie Auseinandersetzung ist diese Art von Vermittlung ungünstig.
Lehrpersonen haben manchmal auch selber Berührungsängste mit dem Thema oder fühlen sich nicht ausreichend sicher oder kompetent gleichgeschlechtliche Liebe explizit im Unterricht anzusprechen und gehen deshalb dem Thema ganz aus dem Weg.

ABQ erachtet es als wichtig, dass bei der Thematisierung von Homo- und Bisexualität die Reduktion auf die Sexualität oder sogar "das Andere" vermieden wird. Es ist deshalb notwendig in der gesamten Sexualkunde und im Schulalltag allgemein immer alle sexuellen Orientierungen explizit zu nennen oder offen zu lassen (z. B. durch "Wenn ein Junge sich in jemanden verliebt.", "Egal ob jemand hetero, bi, schwul oder lesbisch ist, ..." oder "Verhütung muss offen angesprochen werden, egal ob es ein Mann und eine Frau, zwei Frauen oder zwei Männer sind."). Dadurch werden jederzeit Jugendliche aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten angesprochen. Durch eine solche integrative Vorgehensweise wird unbewusst die Gleichwertigkeit aller sexuellen Orientierungen und Identitäten vermittelt und es wirkt der Tabuisierung des Themas entgegen.

 
 

Sexuelle Vielfalt im Lehrplan 21

Sexuelle Vielfalt im Lehrplan 21

Gleichgeschlechtliche Liebe, Geschlechterrollen und die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen und der Wahrnehmung in der Gesellschaft ist gemäss dem Lehrplan 211 teil der obligatorischen Unterrichtsinhalte der Sekundarstufe I. Dennoch sind wertfreie Informationen über sexuelle Vielfalt in den Schulen selten. Immer noch ist das Thema mit Tabus und Stereotypen besetzt, die heteronormative Sichtweise und festgefahrerene Geschlechterrollen sind in Aufgabenstellungen, Jugendliteratur, Fachlehrmittel und dem allgemeinen sprachlichen Ausdruck von Lehrpersonen noch eher die Norm.


Die Schule ist der Ort, wo Jugendliche einen Grossteil ihrer Zeit verbringen. Sie hat den Anspruch, für alle ein Ort des gegenseitigen Respekts zu sein. Auch schwule, lesbische, bisexuelle und queere Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, sich in einem aufgeklärten Umfeld zu entwickeln.

Jahresbericht 2021