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Wieso Schulbesuche?
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Wieso Schulbesuche?

"Als mir meine Schwester sagte, dass sie lesbisch sei, war ich zuerst völlig überfordert. Das Thema war mir fremd.“  9.Klässlerin

Homosexualität ist zwar gemäss dem Berner Lehrplan ein Thema, dennoch ist es in sehr vielen Schulen nach wie vor ein Tabu. Das macht es für viele homosexuelle Jugendliche noch schwieriger, ihre Gefühle zu akzeptieren.

Wertfreie Informationen über Homosexualität sind in den Schulen leider selten anzutreffen. Immer noch geistern viele Vorurteile umher. Information und die Erfahrung, dass Schwule und Lesben ganz gewöhnliche Menschen sind, können helfen, eigene Berührungsängste abzubauen. Die Schülerinnen und Schüler sollen informiert werden und sich eine eigene Meinung zum Thema Homosexualität bilden können.

"Ich war mir nicht bewusst, dass ich mit dem Schimpfwort „schwul“ anders umgehe als mit anderen Schimpfwörtern“   Lehrerin

Facts


Heute wird davon ausgegangen, dass sich die sexuelle Orientierung bereits in der frühen Kindheit etabliert. Deshalb ist sie weder durch Erziehung noch durch Therapie veränderbar.

In jedem Schulhaus gibt es Kinder und Jugendliche, die schwul oder lesbisch fühlen. Viele erkennen ihr «Anderssein» schon in der Pubertät, haben dann aber noch nicht den Mut, ihre Gefühle und Ängste mitzuteilen.

Im Gegensatz zu andern Minderheiten sieht man die sexuelle Orientierung niemandem an und die meisten Eltern denken nicht daran, dass auch ihr Kind schwul, lesbisch oder bisexuell sein könnte. So schieben viele Jugendliche ihr Coming Out lange vor sich hin, weil die Angst, von ihrem Umfeld abgelehnt zu werden, gross ist. Dieses Versteckspiel führt dazu, dass es für lesbische und schwule Jugendliche schwieriger ist, ihre ersten Erfahrungen mit Liebe und Sexualität auf eine positive Art und – wie die heterosexuellen Gleichaltrigen – im Jugendalter zu erleben.

In verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen berichten schwule und lesbische Jugendliche im Vergleich zu ihren heterosexuellen Gleichaltrigen über mehr Angst und Depressivität, ein schlechteres Selbstwertgefühl, mehr soziale Isolation und Einsamkeit, mehr Suizidversuche, mehr Alkohol- und Drogenmissbrauch, mehr sexuelles Risikoverhalten, und über deutlich mehr verbale und körperliche Gewalterfahrungen.

Es gibt aber auch homosexuelle Jugendliche, die im familiären und schulischen Umfeld Akzeptanz und Unterstützung erleben. Diese Jugendlichen sind ebenso gut angepasst wie ihre heterosexuellen Gleichaltrigen und haben die gleichen Entwicklungschancen.

Die Schule, in der die Jugendlichen einen wesentlichen Teil ihres Alltags verbringen, hat den Anspruch, für alle ein Ort des gegenseitigen Respekts zu sein. Also sollte sie auch schwulen, lesbischen und bisexuellen Jugendlichen die Möglichkeit bieten, in einem aufgeklärten Umfeld zu sich und ihren Gefühlen stehen zu lernen und so ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln zu können. Dazu ist direkte Information über Homosexualität und die Beseitigung der zahlreichen Vorurteile dringend notwendig.

 
     

Die Schülerinnen und Schüler schätzen unsere Schulbesuche oft sehr. Vielfach ist der Besuch für sie der erste "reale" Kontakt mit Homosexuellen. Deshalb sind die Jugendlichen häufig auch erstaunt darüber, dass wir genau dieselben Überlegungen und Probleme hatten als wir in ihrem Alter waren.

Jeder Schulbesuch gestaltet sich anders. Die Jugendlichen lernen aus den Diskussionen aber immer viel über ihre und unsere Wahrnehmung von Homosexualität. Auch ich als Schulbesucher kann immer wieder neue Gedanken oder Einsichten mit nach Hause nehmen.

Für mich scheinen Schulbesuche auch deshalb wichtig, weil die Schülerinnen und Schüler die Begegnung mit vertrauenswürdigen, jungen Personen auch dazu benutzen um ohne Hemmungen über Sexualität zu sprechen.

Fabian, 1986, Student