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Politik
Kauer, M. & Wiedmer, M. (2008). Sichtbarkeit und Thematisierung sexueller Orientierungen an Schweizer Schulen. In: Van Dijk, Lutz / Van Driel, Barry (Hrsg.): Sexuelle Vielfalt lernen. Schulen ohne Homophobie. Berlin: Queerverlag.
Die überarbeitete Schweizer Bundesverfassung gewährleistet seit 1999 Schutz vor Diskriminierung, explizit auch bei homosexueller Lebensweise.
Mit dem Partnerschaftsgesetz, das gleichgeschlechtlichen Paaren die Eintragung ihrer Partnerschaft und damit die Erlangung weitgehend gleicher Rechte wie heterosexuellen Paaren ermöglich, ist seit Anfang 2007 diese Gleichberechtigung auch gewährleistet. Dadurch wurde die Arbeit von ABQ bestärkt und entsprechend bedeutender, da das Projekt dazu beiträgt, diese theoretische Rechtsgrundlage in die Tat umzusetzen.
Während all der Jahre aktiver Vereinsarbeit sind wir aber immer wieder auf aktive und passive Widerstände gestossen, welche unser Ziel, das Thema Homo- und Bisexualität an die Schulen zu bringen, erschwert haben. Wir erfuhren und erfahren aber auch immer wieder Unterstützung. Erwähnenswert ist hier vor allem die Berner Erziehungsdirektion, welche mit einer Stellungnahme lange auf sich warten liess. Inzwischen hat sich der Regierungsrat des Kantons Bern aber deutlich für die Thematisierung von sexueller Orientierung in der Schule ausgesprochen und erachtet auch private Schulprojekte wie ABQ als sinnvoll. Zudem wurde darauf verwiesen, dass die Thematik der Homosexualität zum obligatorischen Unterrichtsinhalt gehört. Diese Haltung stärkt nicht nur dem Schulprojekt ABQ den Rücken, sondern gibt auch Lehrpersonen und Schulleiter/-innen eine klare Argumentations-grundlage kritischen Eltern gegenüber.
Immer wieder gab es auch politische Vorstösse im Berner Parlament, in denen verschiedene Politiker die ABQ-Schulbesuche als Bedrohung für die sexuelle Integrität der besuchten Schüler/-innen betrachteten. Diese Kritik gelangte jedoch stets nur auf indirektem Wege zu ABQ und wir fühlten uns deshalb nie bedroht. Es war deutlich spürbar, dass unsere Arbeit doch zunehmende Wertschätzung erfuhr und die Meinung, Jugendliche seien vor der Auseinandersetzung mit verschiedenen sexuellen Orientierungen zu schützen, in der Schweiz nicht mehr mehrheitsfähig ist. Erfreulicherweise wurde auf dieser Ebene auch die Forderung laut, Homophobie in den Berner Schulen zu reduzieren.
Aktuell wird von den Schweizerischen Schwulen- und Lesbenorganisationen, Pink Cross und LOS, sowie der Interessengemeinschaft Freundinnen und Eltern von Lesben und Schwulen (FELS) die offizielle Thematisierung von Homosexualität im Unterricht und dessen Verankerung im geplanten Gesamtlehrplan für die Deutschschweiz gefordert, der bis 2012 in Kraft treten soll.
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